Impro-Wissen

Impro ist immer für eine Überraschung gut

Improvisationstheater ist eine Form des Theaters, bei dem auf der Bühne vor einem Publikum improvisiert wird. „Improvisieren“ bedeutet, etwas ohne Vorbereitung, aus dem Stegreif zu tun. Und genau das macht es so unterhaltsam: Die Schauspieler kommen auf die Bühne, ohne zu wissen, was sie spielen werden.

 

Publikum gibt Handlung vor

Das entscheiden die Zuschauer, in dem sie beispielsweise einen Ort, ein spannendes Ereignis, eine kniffelige Situation, eine Beziehung oder ein Gefühl vorschlagen. Diese sind dann Auslöser und Leitfaden der zu spielenden Szenen. Aus dem Nichts entstehen also Geschichten, die durch das spontane und schlagfertige Spiel der Akteure zu Theater werden. Improtheater steckt voller Energie und guter Laune und ist ein Heidenspaß für Schauspieler und Zuschauer gleichermaßen. Der Clou? Sich einfach mal drauf einzulassen.

 

"Wieviel in Deinem Leben verläuft nach Plan? Der Rest ist Improvisation."
Alexis Kara, Impro-Schauspieler

Il Dottore und Hanswurst machten bereits Schule

Improtheater oder auch „Stegreiftheater“ ist kein Trend der Moderne. So machten bereits Ende des 16. Jahrhunderts Improvisatoren in Italien ihre öffentlichen Unterhaltungsspiele zum Beruf. In der Commedia dell´Arte gab es immer wiederkehrende Typen und komische Figuren, wie il Dottore, den Gelehrten aus Bologna, oder den bäuerlichen Truffaldino, die ihr Publikum bei Laune hielten. Die Bewegung schwappte schließlich nach Frankreich und England über, wo sich mitunter auch Shakespeare beeindruckt zeigte. Auf deutschen Vorort- und Jahrmarktsbühnen improvisierte derweil der lustige Hanswurst.

 

Impro wird zum Theatersport

Im 18. Jahrhundert wurde das Improtheater zugunsten der klassischen Theaterentwicklung als unsittlich verdrängt, gewann aber als psychotherapeutische Maßnahme durch den Arzt Jakob Levy Moreno in Wien Anfang des 20. Jahrhundert wieder an Bedeutung. Als eigentlicher Erfinder des Improtheaters gilt Keith Johnstone, der in den 1950ern als Dramaturg am Royal Court Theater in London die Vorzüge des spontanen Schauspiels entdeckte. Um der Zensur in England zu entgehen, wanderte er später nach Kanada aus. Es heißt, er habe im Keller der Universität Calgary mit seinem „Secret Impro Theater“ den Theatersport begründet. Nicht zuletzt verdanken wir ihm, dass das Improtheater als eigenständige Kunstform inzwischen weltweit die Bühnenreife erlangt hat!

Warmwerden & loslegen: Unsere Favoriten

Der Klatschkreis ist eine der einfachsten Übungen zum Kennenlernen und Lockerwerden: Die Gruppe steht im Kreis, ein Teilnehmer beginnt mit dem Klatscher zum linken oder zum rechten Nachbarn. Je schneller das Tempo, umso wachsamer muss jeder einzelne sein, damit ein Vorreagieren verhindert wird. Der Teilnehmer ist erst an der Reihe, wenn sein Nachbar den Klatscher durch Augenkontakt und klare Körperlichkeit übergeben hat. Dieser Grundform des Klatschkreises können viele Varianten hinzugefügt werden: Der Klatscher kann durch Bewegung und Geräusch ersetzt  z.B. Zip (links herum) Zap (rechts herum) oder über die Kreismitte gegeben werden.

 

Hört sich leicht an, ist es aber nicht!

Beim Assoziieren steht die Gruppe im Kreis. Ein Teilnehmer wirft mit einer Handbewegung und einem imaginären Ball ein Wort zu seinem Gegenüber. Dieser fängt den Ball auf und wiederholt das Wort des Vorgängers. Nun assoziiert er ein Wort dazu. Dieses wirft er weiter an einen anderen Teilnehmer. Durch die Wiederholung des bereits gesagten Wortes lernen die Teilnehmer, ihre Ideen gegenseitig wertzuschätzen. Sie lernen, Pausen auszuhalten. Der Körper kann sich langsam entspannen.

Das „Ja“-Spiel fördert das Teambuilding: Die Teilnehmer stehen im Kreis. Der erste ruft: „Lasst uns im Kreis rennen!“ und alle in der Gruppe rufen laut „Ja!“ und rennen gemeinsam los. Alle Vorschläge werden angenommen und gemeinsam umgesetzt. Ein positives Gefühl entsteht und Hemmungen werden abgebaut.

 

Mit dem Besen zum Konzert

Beim „Edward” oder „Hut-Spiel" liegt ein Gegenstand im Kreis, z.B. ein Hut oder ein Besen. Der erste geht in die Mitte und spielt eine kleine Szene mit dem Besen. Der Besen muss jedoch nicht als Besen bespielt, sondern kann verwandelt werden. Möglicherweise ist der Besen eine Handtasche und der Spieler hängt sie sich um und geht damit zum Konzert. Oder der Besen wird zum Rasierer. Er zeigt, wie er sich damit den Bart oder die Beine rasiert. Erste Impro-Szenen entstehen und die Kreativität wird gestärkt.

Improtheater bietet eine Vielzahl an Spielen und Übungen, die sich für verschiedene Gruppen, Alters- und Niveaustufen eignen. Eine Übersicht mit vielen spannenden Details zu diesem Thema gibt es im Impro-Wiki.

Werkschau15_13

Bin ich inspiriert, geht alles gut, doch versuche ich es richtig zu machen, gibt es ein Desaster.

Keith Johnstone